Girls on the Rock

Stärke, Power, Miteinander

Drei Tage lang waren wir mit zwölf Mädchen und sechs Jugendleiterinnen in Baume-les-Dames in Frankreich unterwegs. Schon beim Ankommen war klar: Der Fels ist beeindruckend groß. Und genau dort sollte in den nächsten Tagen geklettert, gelernt und gelacht werden. „Dann sahen wir ihn, den Felsen. Er war sehr, sehr groß und … felsig (hihi)“, erinnert sich Juliane.

Beim Klettercamp „Girls on the Rock“ ging es dabei nicht nur um Technik, sondern vor allem darum, Mädchen im Bergsport Raum zu geben, Selbstvertrauen aufzubauen und gemeinsam stärker zu 
werden. Am Felsen wurde schnell deutlich, was das bedeutet: Neue Routen, erste Versuche im Vorstieg, konzentriertes Clippen und das gemeinsame Projektieren von Routen gehörten genauso dazu wie 
gegenseitiges Sichern und Anfeuern. Zudem wurden neue Techniken gelernt, wie das Umbauen am Felsen oder das Abseilen.

Die Ausfahrt sollte Mut machen, sich auch künftig an anspruchsvollere Touren und neue Ausfahrten heranzuwagen. In gemeinsamen Gesprächsrunden tauschten wir uns über Erfahrungen von Mädchen 
im Bergsport, Herausforderungen und Vorbilder aus und darüber, wie man sich gegenseitig unterstützen und bestärken kann. Teilnehmerin Nele bringt es gut auf den Punkt: „Ich fand es richtig toll, dass die Ausfahrt nur für Mädchen war, weil Mädchen sehr stark und laut sein können. Ich glaube, alle haben ein bisschen dazugelernt, wie stark wir Mädchen sind.“

Gerade im Bergsport erleben Mädchen oft, dass ihnen weniger zugetraut wird oder sie in gemischten Gruppen weniger Raum einnehmen. Für manche kommen zusätzliche Hürden dazu, etwa durch eine 
Behinderung, Rassismuserfahrungen oder andere Faktoren, die den Zugang zum Bergsport erschweren können. Umso wichtiger war der geschützte Rahmen dieser Ausfahrt, in dem jede ihre eigenen Stärken entdecken und Verantwortung übernehmen konnte und alle sich gegenseitig unterstützten. Die vielfältig zusammengesetzte Gruppe zeigte, dass anspruchsvoller Bergsport und Inklusion kein Widerspruch sind. Unabhängig von den Voraussetzungen wurde geklettert, gelernt und es wurden Erfolge gefeiert.

Zwischen den Kletterrouten und gemeinsamen Mahlzeiten blieben vor allem die kleinen Erlebnisse im Kopf. Juliane beschreibt ihren ersten Eindruck vom Klettergebiet so: „Als wir das erste Mal  hochgeklettert sind, hat sich das ein bisschen komisch angefühlt. Aber das ging schnell vorbei.“ Auch abseits des Kletterns stand das Miteinander im Mittelpunkt. Nach langen Tagen am Fels wurde gemeinsam gekocht, draußen gegessen und bis in den Abend gespielt und gelacht. Nachtwanderungen, Werwolf-Runden und viele kleine Momente ließen die Gruppe schnell zusammenwachsen. So entstanden nicht nur neue klettertechnische Fähigkeiten, sondern auch Freundschaften und Erinnerungen, die bleiben werden.

Alle kamen wieder gut nach Hause, etwas müde, aber sehr zufrieden. Nach drei Tagen am Fels und vielen gemeinsamen Erlebnissen bleibt vor allem eines: Bei vielen ist die Lust auf weitere Ausfahrten 
geweckt worden. Auch die Rückmeldungen sprechen dafür. Nobila fasst ihre Eindrücke so zusammen: „Es war toll, in Frankreich zu klettern. Oben auf dem Fels hatte man eine schöne Aussicht. Sichern 
und Klettern hat beides Spaß gemacht.“ Und sie ergänzt: „Es war mein erster JDAV-Ausflug, aber sicher nicht mein letzter.“ Spätestens bei solchen Aussagen wird klar: Ziel erreicht.

Text: Lea Wunderle, unterstützt von Juliane, Nele und Nobila von den Seilsalamandern
Fotos: Louisa Wilhelm

Foto :  Louisa Wilhelm - Sina in La Lame, 5b+ | © Louisa Wilhelm
© Louisa Wilhelm